Special Interest/Audiophil

 

Hier stelle ich einige Aufnahmen vor, die bei mir eher selten laufen, auf Grund ihrer außergewöhnlichen Aufnahmetechnik bzw. Musik aber eine Erwähnung verdient haben. Ergänzung: Durch den PureDAC hat sich das Blatt entscheidend gewandelt. Die hier genannten Pretiosen laufen jetzt doch häufiger und überraschen mich immer wieder.

Hugh Masekela: Hope

Um diese in Highend-Kreisen sehr beliebte Aufnahme habe ich jahrelang einen großen Bogen gemacht. Nach einer wirklich beeindruckenden Vorführung bei Radio Ferner in Braunschweig hat sich meine Meinung komplett geändert und ich bin noch immer verblüfft, wie die Schallplatte mit Dynamik und mitreissendem Groove überzeugen konnte. "Stimela" ist vielleicht schon (zu) oft auf diversen Vorführungen gespielt worden, aber mit einer gut zusammengestellten Kette entsteht jene zauberhafte Atmosphäre, die die unbändige Spielfreude dieses Livekonzerts glaubhaft vermittelt.

 

Larry Coryell, Victor Bailey, Lenny White: Traffic (96/24 Download)

Diese Chesky-Aufnahme hat mir beim Probehören auf HDTracks sofort gefallen, weil hier sehr eingängliche Titel (u.a. Manic Depressions / Jimi Hendrix) von einem hervorragend groovenden Trio in superbem Klang dargeboten werden. In entsprechender Lautstärke gehört, ist man mittendrin und kann ausgiebig "im Klang baden". Zum Vorführen der technischen Überlegenheit hochaufgelöster Musik eignet sich dieses Album ganz hervorragend, weil es nicht "mit der Kneifzange" aufgelegt werden muss ob der musikalischen Inhalte. ;-))

 

 

 

Phillip Boa: Helios

Die Musik von Phillip Boa passt perfekt in diese Rubrik. Ihm ging es nie um Massenkompatibilität, sondern um die Erschließung neuer Klangwelten. Und so kann man im Prinzip alle seine Werke als musikalisch sowie klangtechnisch höchst reizvoll empfehlen. Ich habe Helios stellvertretend dafür herausgepickt, da es die erste Boa-CD war, die mich sofort in ihren Bann zog. "And then she kissed her" lief seinerzeit häufig auf Jugendradio DT64, und ich vermutete schon damals, daß sich hier ganz neue Dimensionen auftun. Klar, Boas Gesang stellt Geübte vor Rätsel, aber darum geht es gar nicht. Vielmehr wirft er Kreativität und eine Menge anderer Essenzen in einen gigantischen Hexenkessel und serviert uns den Extrakt in Form einer atmosphärisch hochverdichteten Aufnahme. Der Groove kommt natürlich auch nie zu kurz, wir haben es schließlich nicht mit gekünstelten Filigranklängen sondern mit handfester Mucke zu tun. Das dokumentieren schon allein die kernigen E-Gitarren auf den meisten Aufnahmen. Für aufgeschlossene Hörer ist hier ein wahrer Mikrokosmos zu erkunden, der auch nach häufigem Hören noch neue Facetten offenbart.

 

Peter Epstein: The Invisible

Eine One-Point Aufnahme vom Label MA Recordings. Ein guter Aufnahmeraum, eine penible Ausrichtung der Mikrofone und ziemlich schräge Kompositionen sorgen für eine tolle Atmosphäre. Das Klangbild ist räumlich, luftig, (stellenweise) kraftvoll und authentisch. Aber, wie schon oben gesagt, lange hält man das nicht aus. Gelegentliche Schlagzeugsoli sorgen für enorme Spannung, die in meinen Ohren durch das ein oder andere nervende Saxophonsolo ziemlich abrupt endet.

 

 

 

Jorane: 16mm

Jorane ist bei uns ziemlich unbekannt. Sie hat aber schon diverse Alben veröffentlicht, von denen "16mm" in einer Hifi-Zeitschrift besonders erwähnt wurde, worauf ich mir die CD zulegte. Beim Anhören frage ich mich oft, ob das noch Musik ist. Sie singt nicht direkt, sondern nutzt eher Laute, die sich zwar so ähnlich anhören, aber eine ganz andere Wirkung erzielen. Klanglich ist vor allem "Hello" erwähnenswert, weil hier ein Kontrabassgewitter abgeht, daß man nur noch staunt. Die Perkussion sowie Joranes Gesangsstil tun ihr Übriges und ich habe bisher noch nie so viele verstört um sich blickende Leute in meinem Sessel sitzen sehen, wie nach diesem Stück.

 

Recoil: Liquid

Ich habe euch vorgewarnt: Nascht nicht zuviel von diesem starkem Zeug. Alan Wilder und verschiedene Spoken-Words Künstler drehen an unserem Kopfkino herum, bis kein Stein mehr auf dem anderen ist. Wenn man diese CD abends im Dunkeln anhört, ist es richtig unheimlich. Man weiß auch nie, was als nächstes passiert, wil hier ein ganz schön abgefahrener Film abgeht. Konzept: Keine Ahnung? Aber es regt durchaus zu Diskussionen an...

 

 

 

Friedemann: Friedemanns Aquamarin Orchester in Concert

Wenn es eine Live-CD gibt, die musikalisch und klanglich einmalig ist, dann diese hier. Obwohl sie bereits 1990 aufgenommen wurde, strotzt das Klangbild nur so vor Kraft, Atmosphäre, Transparenz und Dynamik. Wenn man sich im Dunkeln und mit entsprechender Lautstärke "Bao Lan" anhört, kommt sofort die Gänsehaut und nach 8:28 Minuten erwacht man aus einem Traum von Klang und Energie. Die Musik ist auf jeden Fall exzellent, der Klang sowieso und das kann man auch von allen anderen Friedemann-CDs behaupten.

 

 

Earl Klugh / Bob James: Cool

Wenn jemand vorbeikommt und eure HighEnd-Anlage beleidigt, dann kettet ihn am Sessel fest, dreht den Hahn bis zum Anschlag auf und gebt ihm das hier. Danach sollte man natürlich nur milde lächeln und sagen, das wäre eine ganz normale Aufnahme und wenn er nicht ruhig ist, werden die richtig heftigen Sachen aufgelegt. Keine Angst: Das Cover läßt Schlimmes vermuten, aber diese CD, gemastert von Bob Ludwig, klingt so als würde man im Studio genau zwischen den Musikern sitzen. Das Schlagzeug ist gigantisch, die Stücke an sich sind sehr relaxed aufgebaut und sorgen zusammen mit einem knackig druckvollen Bass dafür, daß die Transparenz auch im dichtesten Getümmel nicht leidet.

 

Image Hifi: Schlager in Hi-Fi

Während die anderen Hifi-Zeitschriften ihren Lesern hier und da teilweise langweilige Beipack-CDs spendieren, die vollgestopft mit langweiligem Jazz in exzellenter Klangqualität sind, ging die Image-Hifi einen ganz anderen Weg. Der damalige Chefredakteur Ulrich Michalik hat es sich in den Kopf gesetzt, eine, ich zitiere wörtlich, "affentittengeile Partyscheibe" zu produzieren. Und herausgekommen ist eine Sammlung von allseits bekannten Schlagern, u.a. "Zuckerpuppe" von Bill Ramsey, "Egon" von Friedel Hensch&die Cypris in feinstem Mono, usw. Die Klangqualität ist traumhaft. Es ist kaum vorstellbar, daß z.T. mehr als 50 Jahre alte Aufnahmen dermaßen sauber produziert wurden. Die Tatsache, daß diese Platte nur in limitierter Auflage existiert, macht sie zu einem echten Schatz.

 

Boston Symphony/Munch: Symphony No.3 etc.

Eine Klassikaufnahme, die es wahrlich in sich hat. Das zehnte Stück, "Valencia: Animé", beginnt erst leise und schwillt dann zu einem regelrechten Orkan heran. Hier geht richtig die Post ab! Daß die Aufnahme von 1956 stammt, kann man kaum glauben. Im Gegensatz zu heutigen Aufnahmen, wo man häufig mit Multimikrofonierung jedes Instrument einzeln aussteuert, gibt es hier eine simple Dreispuraufnahme, wo Klangfarben, Raum und Dynamik eine ziemlich hohe Messlatte anlegen. Mal ehrlich: In einem Konzert kann ich auch nicht sagen, was die zweite Geige hinten links genau macht. Ein Orchester ist immer ein Gesamtwerk, und das Auffasern in seine Bestandteile raubt ihm schlagartig die Souveränität.

 

Billy Cobham: A Celebration of the Mahavishnu Orchestra

Für mich als Schlagzeug-Fan war diese CD fast schon ein Pflichtkauf, nach dem ich die Rezension in der Stereoplay las. Billy Cobham streut hier energiegeladene Soli ein, die richtig Spaß machen. Der Klang dieser Live-Aufnahme ist hervorragend. Es macht Laune, die Anlage richtig aufzudrehen. Einige Bläserarrangements sind aber hier und da schon etwas aufdringlich bzw. schräg. Wer sich davon nicht beeindrucken läßt, bekommt eine tolle CD mit sehr abwechslungsreicher Musik. Anspieltip: "You know, you know". Fängt leise an, steigert sich im weiteren Verlauf, dann kommt das Schlagzeugsolo und zum Ende noch einige hochdynamische Bläsereinsätze. Einfach genial!

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