Audiophil

 

Hier stelle ich einige Aufnahmen vor, die bei mir eher selten laufen, auf Grund ihrer außergewöhnlichen Aufnahmetechnik bzw. Musik aber eine Erwähnung verdient haben.

Kaki King: Modern Yesterdays

Man sollte sich zuerst ein Video von Kaki King ansehen, bevor man die Musik startet und sich wundert, wieso die Töne hier so flirren und merkwürdige Schwebungen enthalten. Mir fällt niemand ein, der eine derartige Gitarrenspieltechnik verwendet und damit so kreative Musik komponiert. Rhythmisch akzentuiert, klar und atmosphärisch klingen auch ihre anderen Alben, die ich jedem empfehlen kann, der offen für neue Klänge ist.

David Helbock Trio: Into the Mystic

Ein Jazzkonzert im Wolfsburger Schwimmbad, geht das? Das leere Becken und die damit verbunden akustischen Probleme waren aber schnell vergessen, als David Helbock am oder sollte ich besser sagen im Klavier nach Tönen suchte, die eine zweistündige Klangreise nach sich zogen. In der Pause fragte ich Raphael Preuschl, was er denn da für ein ungewöhnliches Instrument spielt. Es handelt sich um eine Bass-Ukulele, die auf Grund ihrer niedrigen Saitenspannung wohl sehr ungewöhnlich zu spielen sei. Das Album ist übrigens sehr gut aufgenommen und bringt die klanglichen Überraschungen des Konzerts in sehr ähnlicher Art rüber.

Anette Askvik: Liberty

Gibt es tatsächlich einen Länderklang? Auch ohne es zu wissen, würde ich Liberty in Skandinavien lokalisieren. Tatsächlich ist Norwegen Anette Askviks Heimat, womit meine Theorie bewiesen wäre. Schon der Titelsong beginnt vielversprechend, wird von tiefen Basstönen unterfüttert und plötzlich steht da ihre Stimme direkt im Raum. Das Klangbild ist klar und aufgeräumt, aber nicht steril, es bleibt immer organisch.

Hugh Masekela: Hope

Um diese in Highend-Kreisen sehr beliebte Aufnahme habe ich jahrelang einen großen Bogen gemacht. Nach einer wirklich beeindruckenden Vorführung bei Radio Ferner in Braunschweig hat sich meine Meinung komplett geändert und ich bin noch immer verblüfft, wie die Schallplatte mit Dynamik und mitreissendem Groove überzeugen konnte. "Stimela" ist vielleicht schon (zu) oft auf diversen Vorführungen gespielt worden, aber mit einer gut zusammengestellten Kette entsteht jene zauberhafte Atmosphäre, die die unbändige Spielfreude dieses Livekonzerts glaubhaft vermittelt.

 

  

Phillip Boa: Helios

Die Musik von Phillip Boa & the Voodooclub passt perfekt in diese Rubrik. Ihm ging es nie um Massenkompatibilität, sondern um die Erschließung neuer Klangwelten. Und so kann man im Prinzip alle seine Werke als musikalisch sowie klangtechnisch höchst reizvoll empfehlen. Ich habe Helios stellvertretend dafür herausgepickt, da es die erste Boa-CD war, die mich sofort in ihren Bann zog. "And then she kissed her" lief seinerzeit häufig auf Jugendradio DT64, und ich vermutete schon damals, daß sich hier ganz neue Dimensionen auftun. Klar, Boas Gesang stellt Geübte vor Rätsel, aber darum geht es gar nicht. Vielmehr wirft er Kreativität und eine Menge anderer Essenzen in einen gigantischen Hexenkessel und serviert uns den Extrakt in Form einer atmosphärisch hochverdichteten Aufnahme. Der Groove kommt natürlich auch nie zu kurz, wir haben es schließlich nicht mit gekünstelten Filigranklängen sondern mit handfester Mucke zu tun. Das dokumentieren schon allein die kernigen E-Gitarren auf den meisten Aufnahmen. Für aufgeschlossene Hörer ist hier ein wahrer Mikrokosmos zu erkunden, der auch nach häufigem Hören noch neue Facetten offenbart.

 

Recoil: Liquid

Ich habe euch vorgewarnt: Nascht nicht zuviel von diesem starkem Zeug. Alan Wilder und verschiedene Spoken-Words Künstler drehen an unserem Kopfkino herum, bis kein Stein mehr auf dem anderen ist. Wenn man diese CD abends im Dunkeln anhört, ist es richtig unheimlich. Man weiß auch nie, was als nächstes passiert, wil hier ein ganz schön abgefahrener Film abgeht. Konzept: Keine Ahnung? Aber es regt durchaus zu Diskussionen an...

 

 

 

Friedemann: Friedemanns Aquamarin Orchester in Concert

Wenn es eine Live-CD gibt, die musikalisch und klanglich einmalig ist, dann diese hier. Obwohl sie bereits 1990 aufgenommen wurde, strotzt das Klangbild nur so vor Kraft, Atmosphäre, Transparenz und Dynamik. Wenn man sich im Dunkeln und mit entsprechender Lautstärke "Bao Lan" anhört, kommt sofort die Gänsehaut und nach 8:28 Minuten erwacht man aus einem Traum von Klang und Energie. Die Musik ist auf jeden Fall exzellent, der Klang sowieso und das kann man auch von allen anderen Friedemann-CDs behaupten.

 

  

Image Hifi: Schlager in Hi-Fi

Während die anderen Hifi-Zeitschriften ihren Lesern hier und da Beipack-CDs spendieren, die vollgestopft mit langweiligem Jazz in exzellenter Klangqualität sind, ging die Image-Hifi einen ganz anderen Weg. Der damalige Chefredakteur Ulrich Michalik hat es sich in den Kopf gesetzt, eine, ich zitiere wörtlich, "affentittengeile Partyscheibe" zu produzieren. Und herausgekommen ist eine Sammlung von allseits bekannten Schlagern, u.a. "Zuckerpuppe" von Bill Ramsey, "Egon" von Friedel Hensch & die Cypris in feinstem Mono, usw. Die Klangqualität ist traumhaft. Es ist kaum vorstellbar, daß z.T. mehr als 50 Jahre alte Aufnahmen dermaßen sauber produziert wurden. Die Tatsache, daß diese Platte nur in limitierter Auflage existiert, macht sie zu einem echten Schatz.

 

Boston Symphony/Munch: Symphony No.3 etc.

Eine Klassikaufnahme, die es wahrlich in sich hat. Das zehnte Stück, "Valencia: Animé", beginnt erst leise und schwillt dann zu einem regelrechten Orkan heran. Hier geht richtig die Post ab! Daß die Aufnahme von 1956 stammt, kann man kaum glauben. Im Gegensatz zu heutigen Aufnahmen, wo man häufig mit Multimikrofonierung jedes Instrument einzeln aussteuert, gibt es hier eine simple Dreispuraufnahme, wo Klangfarben, Raum und Dynamik eine ziemlich hohe Messlatte anlegen. Mal ehrlich: In einem Konzert kann ich auch nicht sagen, was die zweite Geige hinten links genau macht. Ein Orchester ist immer ein Gesamtwerk, und das Auffasern in seine Bestandteile raubt ihm schlagartig die Souveränität.

 

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