Wir hören Musik - Gedanken zum Ist-Zustand in deutschen Wohnzimmern

 

Die meisten Menschen geben als Antwort, was ihre liebste Freizeitbeschäftigung sei, an, Musik zu hören. Das ist ja noch in Ordnung. Wenn ich aber mal so in die Runde schaue, wo und unter welchen z.T. grausamen Umständen ich schon Musik hören musste, dann frage ich mich ernsthaft, ob eigentlich allen klar ist, daß wir die 80'er Jahre schon weit hinter uns gelassen haben. Die Lautsprecher in die Raumecken verbannt, Regallautsprecher, die tatsächlich in einem Regal stehen und einfach schlecht klingen, nervige Hochtöner, eingedrückte Bassmembranen, kein vernünftiger Hörplatz, usw. Es ist mir schon klar, daß nicht jeder immer und jederzeit seine volle Aufmerksamkeit der Musik schenken will. Es muss ja auch nicht sein. Ich lasse mich unterm Strich auch mehr berieseln, als daß ich wirklich auf dem Hörplatz zwischen den Lautsprechern sitze. Aber auch wenn nur ein Ohr der Musik folgt, es nervt, wenn die Bässe schwabbeln, wenn ich keine Instrumente orten kann und die Entspannung will sich bei so einem Klangbrei beim besten Willen nicht einstellen. Für mich ist es Entspannung, wenn ich mit relativ hohem Lautstärkepegel meine Lieblingsaufnahmen höre und dabei quasi in das Klangbild abtauchen kann. Manchmal schlafe ich sogar dabei ein, obwohl es so laut ist.

Mit meinen Erkenntnissen will ich mich auch nicht mehr so missionarisch wie in den Anfangsjahren an all die "Ungläubigen" wenden und sie zu besserem Musikhören drängen. Jeder kann gern zum Musikhören vorbeikommen, wenn ihm danach ist und natürlich auch seine eigene Musik mitbringen. Aber die Praxis zeigt, daß doch die wenigsten dieses Angebot wahrnehmen. Vielleicht aus Angst, daß sie danach in pekuniäre Bedrängnis geraten könnten, weil nur der Kauf einer 20.000 Euro Anlage für zwischenzeitige Linderung sorgt. Was für ein Schwachsinn. Und natürlich frage ich mich, was für eine Lebenseinstellung dahinter steckt, wenn man immer nur das Billigste kauft, Hauptsache man kann auf eine vorhandene Anlage verweisen, die im Ernstfall eher ihre Tieftönermembran auskotzt, als einen geraden Ton zu reproduzieren. Ich weiß es nicht. Wir in unserem schönen Ex-Dichter und Ex-Denker Land sind wohl unserer Illusionen braubt, blicken ernüchtert dem "nackten Arsch" unserer billigen Hifi-Anlage entgegen, die uns jeden Tag aufs Neue unserer Emotionen beraubt, weil sie einfach scheiße klingt. Ist es das? Unser Land, die Spitze der Hightech-Industrie, Forschungs- und Entwicklungsstandort, usw. Aber nach Feierabend, da gehen wir alle Retro, drehen unsere alte, verstaubte Anlage auf und freuen uns, daß alles so ist, wie es mal war. Sind das Erinnerungen aus Jugendtagen, an denen wir festhängen? Was kann man nur machen, damit wieder Leben in unser aller Lieblingshobby kommt?

 

 

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Wenn Dynaudio Werkswaschbär Knut Knudsen einen Daumen hätte, er würde sich erschießen.